Eindrückliche Performance von Paul Giger und Ursula Sabatin als Auftakt zur zweiten Schweizer Mutternacht vom 10. Mai 2014 mit gegen 200 Interessierten

Die Zweite Schweizer Mutternacht hat am Samstag, 10. Mai 2014 mit einem abwechslungsreichen Programm die Themen Müttersterblichkeit und Teenage-Schwangerschaften aufgenommen. Gegen 200 Personen besuchten den Anlass auf dem Luzerner Rathausplatz und in der Kornschütte.
Bild Mutternacht 2014
Auf dem Rathausplatz machte Daniella Franaszek mit theatralischen Improvisationen über den Alltagsstress junger Mütter auf den Anlass aufmerksam. In  der Kornschütte erwartete die Gäste Schriftkunst von Herta Spiegel mit 12 Fahnen, die das Thema kalligrafisch umsetzten. Der bekannte Schweizer Violinist Paul Giger machte mit Violine und Violino d’amore den Auftakt zum Programm. Dabei wechselten sich sanfte Töne mit dominanten Klängen ab. Die Tänzerin Ursula Sabatin begleitete die musikalische Einstimmung mit einem eindrücklichen Auftritt. Wie die Musik war ihre Performance geprägt von einer federleichten, beinahe schwebenden, tänzerischen Ausdrucksform, um im nächsten Moment – entsprechend Gigers Musik – mit fulminantem Körpereinsatz das Publikum erneut in seinen Bann zu ziehen.

In ihrem Grusswort führte die gebürtige Slowakin Irena Brežná, die als Schriftstellerin seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, den Gästen vor Augen, dass es beispielsweise in Tschetschenien der Tradition entspricht, die Braut zu rauben. „Brautraub gilt in Tschetschenien als strafbare Entführung eines Menschen, wird jedoch von der Justiz nicht geahndet“, so Brežná. Und dass im Gegensatz zu den Söhnen tschetschenische Töchter nicht erbberechtigt sind, ist laut der Schriftstellerin eine weitere skandalöse Realität.  

Mütter gehen „mit Pauken und Trompeten“ unter
Mit verschiedenen Texten zu Schwangerschaft- und Muttersein brachte Silvia Planzer, ehemalige Sprecherin bei Radio und Fernsehen SRF, die Besucherinnen und Besucher immer wieder zum Schmunzeln. Zum Beispiel wenn sich „ein Neugeborenes vom Hässlichsten zum Schönsten der Welt“ wandelt. Oder wenn sie feststellt, dass die Mutter nach der Geburt ihres Kindes „mit Pauken und Trompeten untergeht“, um einige Zeit später zum Schluss zu gelangen, das Kind habe die Mutter geboren. Im Portrait, das Renate Metzger-Breitenfellner über Tabasum, eine junge afghanische Frau, geschrieben hat, kam die prekäre Situation zur Sprache, der Mütter mit Kleinkindern auf der Flucht ausgesetzt sind. Die Verfolgungssituation im Heimatland, die Flucht mit zwei kleinen Kindern, der unsichere Status: Dies alles wirkt sich negativ auf die eigene Gesundheit aus.

„Es ist modern, sexuell aktiv zu sein“
In ihrem Referat zum Thema Kindermütter hielt Ursula Funk, Senior Advisor bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (EDA-DEZA), fest, dass täglich 20‘000 Frauen unter 18 Jahren in Entwicklungsländern Mütter werden. Dabei sind Dreiviertel von ihnen jünger als 15 Jahre.
Im Weiteren betonte sie, das Millenniums-Entwicklungsziel Nummer fünf (MDG 5) der Vereinten Nationen, die Müttersterblichkeit bis ins Jahr 2015 um drei Viertel zu senken, sei jenes der Millenniumsziele, das am wenigsten Fortschritt erzielt habe.
Die Ursachen für die hohe Zahl junger Mütter in Entwicklungsländern ortet Funk sowohl in der Haltung des Staates durch fehlende Gesetze als auch in der Haltung der Gesellschaft. „Es ist in Afrika modern, sexuell aktiv zu sein“, so Funk.
Weitere Gründe sind ihrer Meinung nach im fehlenden Zugang zu Informationen zum Schutz vor Schwangerschaft und im sozialen Umfeld zu finden. Da der Schulbesuch der Kinder für viele Familien teuer ist und die Mädchen in den Augen der Eltern „sowieso heiraten werden“, erhalten Töchter oftmals gar keinen Zugang zur Bildung. Funk ist der Ansicht, an Verhaltensänderungen der Mädchen anzusetzen, sei ein ungenügender Lösungsansatz. Dies müsse durch Investitionen in die Ausbildung und Gesundheit sowie unter Einbezug der Achtung der Menschenrechte ergänzt werden. Zudem betonte sie die Wichtigkeit, die Knaben und Männer der Familie ebenfalls in diesen Prozess miteinzubeziehen.
Ursula Funk wies darauf hin, dass zurzeit speziell Programme für zehn bis vierzehn jährige Mädchen entwickelt werden. So sollen diese jungen Menschen einerseits eine altersgerechte und umfassende Sexualaufklärung erhalten und andrerseits sich frei fühlen, Informationen zu beschaffen. Dass junge Frauen erst mit 18 Jahren verheiratet werden dürfen, ist ein weiterer Schwerpunkt, für den sich die EDA-Vertreterin einsetzt.

Expertinnen und Experten diskutieren zum Thema Teenage-Schwangerschaft
Schliesslich setzten sich beim Talk am Tisch, moderiert von Julia Stirnimann, verschiedene Spezialistinnen und Spezialisten mit dem Thema Teenage-Schwangerschaften sowie Mütter- und  Säuglingssterblichkeit auseinander. Dabei waren sich die teilnehmenden Expertinnen und Experten einig, dass es sowohl in der Schweiz als auch im Ausland gelte, Normen in der Gesellschaft zu verändern – und dass dies durchaus möglich sei. Bildung und Zugang zu Verhütung sowie Gleichstellung würden Fortschritt bringen, so Susanne Rohner von Sexuelle Gesundheit Schweiz. Sie fordert flächendeckende Sexualerziehung in den Schulen, so wie dies in der Romandie bereits der Fall ist.
Schweizer Teenage-Mütter hätten oftmals selber sehr junge Mütter; häufig seien diese selber nicht mütterlich umsorgt worden, sagte Yvonne Gilli, Nationalrätin und Ärztin. Martin Leschhorn von Medicus Mundi betonte die Wichtigkeit einer legalen Abtreibung. Und Ursula Funk wies darauf hin, dass die Schweiz seit der Legalisierung die tiefste Abtreibungsrate weltweit aufweist. Die Gesprächspartnerinnen waren sich jedoch einig, dass die Voraussetzungen für eine sichere Abtreibung trotz Legalität nicht automatisch gegeben sind.
Für die Weiterführung der Millenniums-Entwicklungsziele ab 2015 betonte Ursula Funk die Wichtigkeit einer einzigen Agenda der verschiedenen Akteure. Dabei sollten die definierten Ziele auf verschiedenen Ebenen reflektiert werden und für alle Länder gelten, nicht nur für die Entwicklungsländer.   
Das Konzert der Singfrauen Winterthur bildete den Schlusspunkt der Veranstaltung. Die Sängerinnen nahmen die Anwesenden mit auf eine musikalische Reise durch verschiedene Länder und Epochen und ernteten dafür viel Applaus.  
Li Hangartner, Projektleiterin der zweiten Schweizer Mutternacht in ihrem Schlusswort: „Ich wünsche mir Strukturen auf allen Ebenen, dank denen sich junge Frauen so stark und kraftvoll entfalten können, wie sich die Singfrauen Winterthur soeben präsentiert haben.“

Fotos der zweiten Schweizer Mutternacht finden Sie hier.

Lesen Sie das Portrait von Tagasum Haidari hier.

Die Zweite Schweizer Mutternacht wurde unterstützt von APG, DEZA-EDA, Katholische Kirche Stadt Luzern, Medicus Mundi Schweiz, St. Anna Stiftung der St. Annaschwestern, Sexuelle Gesundheit Schweiz, Stadt Luzern

Kontakt:
Die Projektleiterin Li Hangartner ist per Mail lihangartner@mysysinf.ch oder telefonisch unter 041 360 29 26 erreichbar.

Lilian Hässig, Medienstelle, lhaessig@bethlehem-mission.ch
Kreuzbuchstrasse 44, CH-6005 Luzern
Direktwahl +41 (0)58 854 11 47, Zentrale +41 (0)58 854 11 00, Fax +41 (0)58 854 11 02,
www.mutternacht.ch, info@bethlehem-mission.ch, www.bethlehem-mission.ch