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03.12.2010 14:27 Alter: 2 yrs

Feministischen Exegese beeinflusst Theologie und Pastoral

Von: Paul Jeannerat

Katholische Dialoge im RomeroHaus

Luzern, 22. November 2010 Die feministische Exegese hat im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren Bibelwissenschaft, Theologie und kirchliche Basis nachhaltig beeinflusst. Nun gilt es, auch in der Pastoral patriarchalische Sprache und Gepflogenheiten zu überwinden. Neue liturgische Formen in gerechter Sprache gewinnen innerhalb und ausserhalb der gewohnten Kirchenräume an Bedeutung.

 

Dies ist das Fazit der zweiten Veranstaltung in der Reihe „Katholische Dialoge“ im Bildungsjahr 2010/2011, die vom Forum für offene Katholizität (FOK), vom Verein Tagsatzung im Bistum Basel und vom RomeroHaus Luzern verantwortet wird. 25 Personen, Laien, Theologen und Priester, diskutierten darüber am 22. November 2010 im RomeroHaus Luzern anhand von Thesen, die von einer Professorin und einer pastoralen Praktikerin vorgelegt wurden.

 

Feministische Exegese ist ökumenisch

Die katholische Theologin Silvia Schroer, Professorin für Altes Testament und biblische Umwelt an der evangelisch-christkatholischen Fakultät der Universität Bern, zeigte auf, wie feministische Exegese von Anfang an sehr ökumenisch geprägt war und heute fast immer interkonfessionell und meist auch interreligiös betrieben wird. Kennzeichen feministischer Exegese ist ferner die hermeneutische Deklaration, d.h. das Offenlegen der eigenen (feministischen) Interessen. Die feministische Exegese hat die Erforschung des israelitischen Monotheismus, der biblischen Gottesbilder und der Frauengeschichte massgeblich vorangebracht und so die christliche Theologie nachhaltig beeinflusst.

 

Feministische Exegese ist dynamisch

Die Bildungsbeauftragte des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes, Regula Grünenfelder, beschrieb die feministische Bibelauslegung als dynamisches Element einer Bewegung, die das Kirchenverständnis verändert und entsprechend gestaltet hat: Patriarchale liturgische Sprache und Gepflogenheiten wurden entlarvt und  Geschlechter-gerechte Alternativen erprobt. Allerdings sind die Kontroversen um die Auswahl der offiziellen liturgischen Lesungen und die Sprache von Gebeten und Liedern noch längst nicht ausgestanden, doch neue liturgische Formen und Sprache werden experimentiert und gewinnen an Kontur.

 

Herrlichkeit und Herrschaft Gottes

Die Diskussion unter Leitung von Dr. Erwin Koller und Dr. Toni Bernet machte deutlich, wie sehr Theologinnen und Theologen, die liturgische Feiern gestalten, ringen um Geschlechter-gerechte Worte und Begriffe. Gott darf durchaus als „Vater und Mutter“ angesprochen werden, aber von Gottes Herr-lichkeit darf nicht mehr unreflektiert geredet werden. Hilfe und Anregung dazu liefert die Publikation „Bibel in gerechter Sprache“.

 

 

„Katholische Dialoge“

Das „Forum für offene Katholizität“ (FOK) ermöglicht mit den „Katholische Dialoge“ genannten Veranstaltungen eine pastorale Reflexion und theologische Auseinandersetzung über wichtige Errungenschaften des Zeiten Vatikanischen Konzils. Gleichzeitig bietet es Räume für persönliche Begegnung unter theologisch Interessierten. Das FOK entstand in den Jahren 2002/03 im Rahmen des Pastoralinstituts der Universität Freiburg im Üchtland (Prof. Leo Karrer).

 

Voranzeige

Der nächste „Katholische Dialog“ findet am Montag, 24. Januar 2011 statt und ist dem Thema „Kreative Dialoge zwischen Christen und Muslimen. Erfahrungen aus Geschichte und Gegenwart“ gewidmet. Thesen dazu werden vorgetragen von Mariano Delgado, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Freiburg/Schweiz und Piera Fleiner-Gerster, Gründerin des Christlich-Muslimischen Frauentreffs, Freiburg. Weitere Veranstaltungen sind für den 21. März 2011 und den 16. Mai 2011 in Vorbereitung.

 

Die Dialoge finden jeweils um 14.30 Uhr im RomeroHaus statt, mit zwei Impulsreferaten von Fachleuten, einer ausgiebigen Diskussion und dem gemeinsamen Nachtessen.



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